[Rezension] Erna Sassen - Das hier ist kein Tagebuch

Klappentext: 

"...LASS MICH DIE STÄRKE DEINER SCHMERZEN SPÜREN, DAS ICH MIT DIR TRAUERN KANN."
STABAT MATER DOLOROSA

Der Kurzschluss in Boudewijns Kopf kommt verspätet - Jahre nach dem Tag des großen Schocks. Was soll das bringen, wenn er auf Anordnung seines Vaters jetzt jeden Abend das  Stabat Mater  von Pergolesi hört und Tagebuch führt?

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Erster Satz: "Das hier ist kein Tagebuch."

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Bou geht es nicht gut. Er hängt die ganze Zeit zu Hause herum und macht gar nichts. Sein Vater hat ihn jetzt dazu verdonnert ein Tagebuch zu führen. Er soll jeden Tag reinschreiben, was er gemacht hat, wie er sich gefühlt hat usw. Und nebenbei soll er noch ein paar CD´s hören, die er ihm gegeben hat: z.Bsp. Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Wenn er das nicht macht, lässt er ihn einweisen...

Meine Meinung

Bei dem Buch wird man so ein bisschen ins kalte Wasser geworfen, da man gar nicht weiß um was es überhaupt geht. Bou wird von seine Vater gezwungen ein Tagebuch zu schreiben. Doch warum? Und warum sitzt er nur zu Hause und macht nichts? Eigentlich müsste er doch in der Schule sein.

Während des Lesens erfährt man das Bous Mutter, welche unter einer Bipolaren Störung litt und ihre letzten Jahre in einer Klinik verbracht hatte, sich vor ein paar Jahren selbst tötete und das Bou, auch wenn er so taff tut und schreibt, das er es nicht schlimm findet, das sie tot und sie als Mistweib bezeichnet, damit überhaupt nicht klar kommt. Das wird einem sehr schnell während des Lesens klar.

Ich weiß nur nicht, ob die Idee von seinem Vater mit dem Tagebuch, die beste Lösung ist. Es klingt sehr danach, das sich Bou in einer Depression befindet und da wäre ein Psychiater mit Sicherheit besser. Es muss ja nicht gleich eine Klinik sein.

Dass das ganze Buch wie ein Tagebuch geschrieben ist, ist ein interessanter Stil. Allerdings erfährt man als Leser dadurch auch nur soviel, wie Bou in seinem Tagebuch schreibt. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist zwar schade, da dem Leser dadurch Informationen fehlen, aber es schreibt ja nun mal nicht jeder ausführliche Tagebücher.

Ich habe früher auch Tagebuch geschrieben. An manchen Tagen waren es nur ein paar Sätze, an anderen mehrere Seiten. Man erwähnt ja immer nur das in seinem Tagebuch, was für einen selbst wichtig ist, man achtet nicht darauf, ob andere das geschriebene verstehen können. Hauptsache für einen selber ist alles klar. :)

Aber neben der Geschichte mit seiner Mutter, wird auch positives berichtet. Zum Beispiel die Geschichte mit Pauline, einem Mädchen aus seiner Klasse, die er eigentlich mag, aber es versaut und später dann versucht, das wieder in Ordnung zu bringen. Oder über seine keline Schwester, die ihm soviel bedeutet und der schweren Zeit hilf, unbewusst, einfach nur weil sie da ist.

Fazit
Ein fesselndes Tagebuch!

Zitat, Seite 9:
"Nichts gemacht heute.
Nichts gedacht, nichts gefühlt.
Und der Tag ist auch einfach vorbeigegangen, Gott sei Lob und Dank.
Jeder Tag geht von selbst zu Ende, das hat er gut geregelt."


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 Vielen Dank an den Verlag Freies Geistesleben für das Rezensionsexemplar.
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Autorin: Erna Sassen | Verlag: Freies Geistesleben | ISBN: 978-3-7725-2861-3 | Seiten: 183 | Preis: 17,90€ [D]
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Kommentare:

  1. Huhu liebe Sabrina! ♥
    Schön dass dir das Buch so gut gefallen hat! ^-^
    Mich konnte es leider nicht ganz so überzeugen. :/
    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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  2. Vielen Dank für die schöne Rezension. Ich habe das Buch übersetzt. Ein kleiner Punkt allerdings ist die Frage, wieso der Vater Bou nicht zum Therapeuten schickt: Das wäre meiner Meinung nach schlecht fürs Buch. Genauso, wie wenn in einem Kinderbuch Kinder mit ihrem Problem gleich zu den Eltern gingen. Wäre vielleicht auch vernünftiger, ergäbe aber keine gute Geschichte.
    Was aber sehr richtig ist, ist die Frage: Was hilft Bou? Ihm hilft etwas, was auch eine Therapie nicht ersetzen kann: Verwandte, die ihn unterstützen. So seine fabelhafte Tante und eben auch seine kleine Schwester. Dieses akzeptierende, sehr solidarische Umfeld, das beileibe nicht alle in einer solchen Situation haben, ist das Helle und Schöne an diesem Buch.
    Ich denke: Bou ist am Ende dieses Buches wirklich ein Stück weiter und jetzt vielleicht bereit für eine Therapie.
    Nochmals danke für die schöne Rezension.
    Rolf Erdorf

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